Knapp 60 Jahre nach seiner Eröffnung muss das Peischinger Kraftwerk weichen. Der Start zum Abriss des ikonischen Baus fiel mit Oktober dieses Jahres. Seit Ende September werden auf dem Areal auch Führungen angeboten. Viele Dorfbewohner nutzen diese Möglichkeit, um sich von einem ihrer Wahrzeichen zu verabschieden.
“Dort wo das rote Licht blinkt”, so lautete ein häufig genannter Satz vieler Peischinger:innen, wenn sie von Ortsfremden nach der Lage ihres Heimatortes befragt wurden. Gemeint wart damit freilich der 120 Meter hohe Schlot des Kraftwerk-Baus am Dorfrand, der von einer roten Lichtleiste gesäumt wird.
Damit ist spätestens in einigen Monaten Schluss. Denn per Jahresbeginn 2023 wird das Kraftwerk nach und nach dem Erdboden gleichgemacht. Angst vor allzu großer Lärmbelästigung braucht man im Dorf jedoch nicht zu haben. Wie die EVN bekanntgab, soll es zu keinerlei Sprengungen kommen, auch der Schlot wird maschinell per Roboter abgetragen.

Im Herbst 2023 soll der Abriss fertiggestellt sein. Die Kosten für die Beseitigung des Kraftwerks belaufen sich auf rund drei Millionen Euro. Das auf dem Grundstück beheimatete Biomasse-Lager bleibt weiter bestehen bleiben, hinzu kommen ein 40 Meter hoher Handymast sowie eine großzügige Photovoltaik-Anlage. Immerhin: Der neue Mast wird auch mit einem roten Blinklicht ausgestattet sein.
Ein Platz mit Geschichte
Das Kraftwerk wurde im Jahr 1964 eröffnet und sollte ursprünglich mit Kohle aus den Grünbacher Bergwerks-Stollen betrieben werden. Da diese jedoch ein Jahr später geschlossen wurden, stellte man auf Öl- und Gasbetrieb um.
Die markanten Öl-Silos beherbergten bis zu 30.000 Tonnen Öl, ehe sie Mitte der 80er-Jahre obsolet wurden. Denn ab 1984 erfolgte die Stromerzeugung schließlich nur noch mit Gas. Doch 1987 war auch damit Schluss, seither steht das Kraftwerk still. Bis Mitte der 1990er-Jahre hielt man den Koloss noch als Rückversicherung in Bereitschaft.

Als vor rund 25 Jahren schließlich immer mehr Wasserkraftwerke in Betrieb gingen, ließ man auch davon ab. Die elektrische Schlatzentrale im Kraftwerk wurde noch bis 2010 benutzt, da hier ein Teil der Steuerung des Umspannwerks angesiedelt war. Danach wurde auch dieser ausgelagert und das Areal diente nur mehr als Holz-Lagerfläche für die Biomasse-Erzeugung.
Im Jahr 2022 verabschieden sich die Peischinger:innen nun endgültig von ihrem Wahrzeichen. Wenngleich der Betonbau optisch fraglos kein Zierobjekt abgibt, so haben die Dorfbewohner ihr eigentümliches “Monster” über die Jahrzehnte lieb gewonnen.
Die EVN bot seit Ende September Führungen für all jene an, die dem Bauwerk vor Ort “Lebewohl” sagen möchten. Diese eigentlich als einmalig vorgesehene Idee wurde aufgrund des großen Interesses laufend ausgeweitet.
Die vorerst letzten Führungen wurden am 20. Oktober angeboten. Darüber hinaus sind keine weiteren Termine mehr geplant, da danach der Abriss nach und nach vollzogen wird. Der in die Jahre gekommene Bau prägte über Dekaden das Ortsbild von Peisching. Die Dorfbewohner werden ihr “hässliches Entlein” in liebevoller Erinnerung behalten.
